Raum für Viehhaltung und Wildtiere unter unsicheren Klimabedingungen in semiariden Landschaften

Solutionscape

Teil der Region

Kenia

Kenia

Raum für Viehhaltung und Wildtiere unter unsicheren Klimabedingungen in semiariden Landschaften

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Kenia

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In den semiariden Weidelandschaften Nordkenias erschweren veränderte Niederschlagsmuster die Wasserspeicherung, während übermässige Beweidung die Vegetation stark geschädigt hat. Wildtiere, darunter Elefanten, sind durch den Rückgang der Vegetation und den Wassermangel direkt bedroht – das Gebiet bildet einen wichtigen Verbindungskorridor zwischen dem Tiefland und dem Hochland Laikipias. Die lokale Bevölkerung leidet unter Wasserknappheit, und Viehhaltende kämpfen mit schrumpfenden Weideflächen. Sobald sich die Vegetation erholt, steigen die Anreize für die Viehhaltenden, ihre Herden zu vergrössern – was die Ressourcen weiter belastet und die Bodendegradation vertieft. Die Konkurrenz um Land und Wasser verschärft die Spannungen zwischen Gemeinschaften, und Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren nehmen zu.

In diesem Solutionscape arbeitet die Wyss Academy mit sieben gemeinschaftsbasierten Naturschutzorganisationen sowie mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Behörden und privaten Partner*innen zusammen. Die Projekte befassen sich gemeinsam mit Landdegradation, der Vernetzung von Lebensräumen und Weideland sowie dem Druck auf die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften – und verbinden dabei traditionelles Wissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Derzeit liegt der Fokus auf der Entwicklung alternativer Einkommensmöglichkeiten neben der Viehhaltung, um den Druck auf die Ökosysteme zu verringern und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften zu stärken.

Gleichzeitig engagiert sich die Wyss Academy mit lokalen Gemeinschaften, lokalen und regionalen Behörden sowie wichtigen nationalen Behörden, um wichtige Wildtierkorridore zu sichern, die für das langfristige Überleben vieler Arten entscheidend sind. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Weidelandschaften fliessen zudem in politische Diskussionen über Landnutzung und Korridorschutz ein – und unterstützen so Entscheidungen, die den Realitäten der Gemeinschaften und der Wildtiere gerecht werden.

«Geleitet von einer gemeinsamen Vision stellen wir in unseren Partnerschaften und Koalitionen des Wandels degradierte Weidelandschaften durch wissenschaftlich abgesicherte Massnahmen wieder her. Zudem stärken wir in diesen Regionen mit Gouvernanzförderung und Stewardship die Selbstverwaltung und den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen zum Nutzen von Natur und Mensch. Auf dieser Basis haben wir mit Partner*innen aus dem privaten Sektor Wertschöpfungsketten für naturbasierte Produkte aufgebaut, um so die Lebensgrundlagen weiter zu verbessern. Jetzt werden bewährte Ansätze und Erfolge in Kenia und darüber hinaus bekannt gemacht und skaliert. Nun gilt es, bewährte Ansätze und erzielte Erfolge in Kenia und darüber hinaus sichtbar zu machen und zu skalieren.»

Wichtigste Erfolge im Jahr 2025

Im Jahr 2025 hat die Wyss Academy Partnerschaften vertieft und die Koalition für den Wandel weiter gestärkt. Ein wichtiger Fokus lag darauf, gemeinsam an der Weidelandqualität, der landschaftlichen Netzwerkfähigkeit und an naturverträglichen Lebensgrundlagen zu arbeiten. Zudem sollten Stewardship und Gouvernanz der Weidelandressourcen verbessert werden.

Zu diesem Zweck werden in die Arbeit konsequent Forschungsaspekte und wissenschaftliche Erkenntnisse eingebettet. Das zeigt sich in der Zertifizierung durch die National Commission for Science, Technology and Innovation (NACOSTI): Der Wyss Academy Hub Ostafrika ist nun als eine der insgesamt 46 offiziellen kenianischen Forschungseinrichtungen anerkannt. Der Fortschritt bei der Sicherung des Oldonyiro-Wildtierkorridors wird zunehmend greifbar: Er ist inzwischen in den Landnutzungsplänen der Gemeinde Oldonyiro verankert. Möglich wurde dies durch fundierte Forschung sowie durch langfristig angelegte, vertrauensvolle Partnerschaften auf verschiedenen Ebenen.

Parallel dazu wurden das Monitoring und die Evaluation der Wiederherstellungsaktivitäten intensiviert und noch stärker in die Prozesse einbezogen. So können daraus kontinuierlich Lehren gezogen werden. Bis Ende 2025 konnte dank der gemeinsamen Anstrengungen eine Grundlage für tragfähige Lösungen geschaffen werden – im Jahr 2026 sollen Weidewirtschaft und Wildtierschutz Seite an Seite ermöglicht und gefördert werden.

  • Wichtigste Ergebnisse

  • Schutzgebiete ermöglichen durch ihre Daten Wiederherstellung und Management von Weideland 22

  • Frauen gehen alternativen Erwerbsmöglichkeiten nach (u.a. Imkerei, Pilz-, Aloe-vera-Produktion) 3529

  • 3 zentrale multifunktionale Korridore wurden identifiziert und abgegrenzt 3

  • Korridore im Fokus: Der Landnutzungsplan von Oldonyiro integriert gemeinschaftlich verifizierte Routen

    Schutzgebiete und Wildtierkorridore lassen sich nur dann wirksam einrichten, langfristig erhalten und ausweiten, wenn sie offiziell abgesichert werden. In Kenia musste eine rechtliche Anerkennung auf der Bezirksebene und durch nationale Gesetzgebung stattfinden. Auf dieser Grundlage hat eine Kartierung in den Counties Laikipia, Samburu und Isiolo 5'626 kritische natürliche Ressourcen identifiziert – darunter Wanderkorridore, Wasserstellen, Felswasserfassungen und Salzlecken. Getragen wurde er von einer Koalition des Wandels: County-Planungsstellen, nationalen Behörden, Conservancies und Gemeinschaften.

    In der aktuellen Schlussphase stehen drei zentrale Wildtier–Nutzvieh-Korridore im Gebiet von Oldonyiro kurz vor einer rechtlichen Absicherung. Nach Absprache mit lokalen Gemeinschaften, Begehungen vor Ort und einer inklusiven Planung wurden die Korridore bereits in den Landnutzungsplan von Oldonyiro 2024–2034 aufgenommen. Nun fehlt noch eine amtliche Ausweisung und somit der rechtliche Schutz, der die Koexistenz von Wildtieren und Menschen in diesen Bereichen auf eine sichere Grundlage stellt.

    Darauf aufbauend treiben Partnerorganisationen sowohl die formelle Ausweisung als auch die praktische Umsetzung voran – etwa durch Beschilderung, lokal verankerte Verordnungen und den Aufbau von Monitoring-Systemen. Insgesamt stellen diese Massnahmen sicher, dass der Schutz von Korridoren nicht nur auf dem Papier besteht, sondern tatsächlich verankert, umgesetzt und wirksam wird. So können sich Menschen sowie Nutz- und Wildtiere langfristig sicher in dieser Landschaft bewegen.

    Eine markierte Vieh- und Wildtierroute in Oldonyiro, Nordkenia – eine von drei gemeinschaftlich verifizierten Routen, die nun im Landnutzungsplan von Oldonyiro 2024–2034 verankert sind. Sie stärken die Habitatvernetzung über Planung und Governance.
  • Wiederhergestellte Flächen verdoppeln die Biomasse und zeigen Wege der Konfliktreduktion auf

    Wie erholen sich die Ökosysteme rund um die 35'529 halbmondförmigen Erdwälle an den mehr als sechs Pilotstandorten? Geprüft wurde dies im Rahmen eines gemeinschaftlich getragenen Citizen-Science-Ansatzes. Geschulte lokale Monitoring-Teams haben Daten zur Vegetation sowie zur Nutzung durch Wildtiere erhoben, validiert und weitergegeben.

    Eine Bestandsaufnahme der Biodiversität im Juni 2025 zeigte: In den behandelten Flächen lag die Biomasse höher (≈ 2,5 t/ha) als in Vergleichsflächen (≈ 1 t/ha) – unbehandelten Weidelandparzellen derselben Beweidungseinheiten. Ein Monitoring der Wildtiere dokumentierte im Vergleich zu den Vergleichsflächen zudem, dass Elefanten mehr Spuren hinterliessen und häufiger Grevy-Zebras beobachtet wurden.

    Diese Ergebnisse sind aus zwei Gründen zentral. Erstens funktionieren die behandelten Flächen als Futterreserven für die Trockenzeit. Das entlastet empfindliche Weiden und Wasserstellen. Zweitens weisen sie den weiteren Weg für eine gezielte Ausweitung der Erdwälle und wirksame Massnahmen zur Verringerung der Konflikte entlang der Korridore. Diese Indikatoren liefern ausserdem eine Grundlage für das fortlaufende Monitoring, damit die Arbeit auf die wirkungsvollsten Standorte konzentriert werden kann.

    Die Wyss Academy und lokale Partner bei einer Feldkontrolle an einem Standort mit halbkreisförmigen Erdwällen. Gemeinschaftsbasiertes Monitoring ermöglicht hier den Vergleich zwischen wiederhergestellten Flächen und benachbartem unbehandeltem Weideland.
  • Frauen im Naturschutz stärken Wiederherstellung und Lebensgrundlagen in Ol Gaboli

    Im nordkenianischen Gebiet Ol Gaboli ermöglicht eine Koalition für den Wandel ein frauengeführtes Pilotvorhaben mit dreifacher Wirkung – Wiederherstellung von Weideland, Vernetzung der Wildtier-Lebensräume und Förderung nachhaltiger Lebensgrundlagen. Das zuständige Community Land Management Committee hat einem aus Frauen bestehenden Komitee eine Pilotfläche zugewiesen und den Auftrag vergeben, diese wiederherzustellen und zu bewirtschaften.

    Nun werten Vertreterinnen von 35 Frauengruppen diese Weideflächen auf, indem sie halbmondförmige Erdwälle ausheben. Dadurch verbessern sie die Wasserinfiltration der hart verkrusteten Böden, regenerieren das Weidegras und unterstützen Wildtierkorridore. Zugleich bilden die Flächen die Basis für ihre Unternehmen: Manche fokussieren sich auf die Produktion von Honig, Aloe vera oder afrikanischem Blattgemüse; andere bauen Gras-Samenbanken auf, die der Renaturierung zugutekommen. Die meisten Gründerinnen stecken noch in der Aufbauphase, darunter die rechtliche Zertifizierung ihrer Aloe-vera-Seife oder ihres Honigs. Eine Gruppe hat jedoch auf ihrer Fläche bereits 150 Futterballen geerntet und damit rund 290 Dollar erwirtschaftet.

    Partner*innen aus dem privaten Sektor unterstützen die Unternehmerinnen dabei, einen Markt für ihre Produkte zu finden. Der Honig der Frauengruppen wird derzeit beim Kenya Bureau of Standards (KEBS) analysiert – mit dem Ziel, durch eine Zertifizierung Qualität zu sichern und den Honig auf lukrativeren Märkten positionieren zu können. Das Pilotvorhaben ist auf eine selbstverstärkende Dynamik ausgerichtet – und zeigt, wie frauengeführte Selbstverwaltung, aktive Wiederherstellung der Flächen und unternehmerisches Engagement ökologische Erholung in resilientere Lebensgrundlagen verwandeln.

    Frauen aus Ol Gaboli stellen degradiertes Weideland wieder her, indem sie halbkreisförmige Erdwälle anlegen – Teil eines von Frauen geleiteten Pilotprojekts, das Weidelandregeneration, Wildtierkorridore und lokale Erwerbsmöglichkeiten verbindet.

Impact Story

  • Wie Frauen in Nordkenia Land und Lebensgrundlagen wiederherstellen

    Die Naibunga-Landschaft im Norden Kenias erzählt eine ganz neue Geschichte – von Frauen, die ihr Land wiederherstellen und damit neue Perspektiven für ihre Gemeinschaften schaffen. In Ol Gaboli, einem der zwei Solutionscape-Pilotstandorte Naibunga und Oldonyiro des Hubs Ostafrika, steuert heute ein 35 Frauengruppen repräsentierendes Komitee die Entwicklung und Bewirtschaftung der Flächen.

    In Ol Gaboli trägt die von Frauen geführte Imkerei zum Haushaltseinkommen bei und ist mit Wiederherstellung und Standortmanagement verknüpft.

Projekte in diesem Solutionscape

Publikationen zum Thema