Widerstandsfähige Waldlandschaften mit hochwertiger Multifunktionalität

Solutionscape

Teil der Region

Peru

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Widerstandsfähige Waldlandschaften mit hochwertiger Multifunktionalität

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Die Provinz Tambopata ist reich an Biodiversität und kultureller Vielfalt. Sie ist nicht nur Heimat vieler Pflanzen- und Tierarten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen, sondern auch von zahlreichen Indigenen Gruppen mit einer tiefen Verbindung zu ihrem Territorium. In den vergangenen Jahren haben extensive Landwirtschaft, Holzeinschlag und Bergbau sowohl die Entwaldungsraten als auch die Einkommen in der Region erhöht. Gleichzeitig sind jedoch langjährige Ungleichheiten bestehen geblieben. In der Folge steht die Region weiterhin vor grossen Herausforderungen: der Verlust von Lebensräumen, die Erosion von Flussufern, Veränderungen der Wasserführung, die Quecksilberverschmutzung sowie ein Anstieg illegaler Aktivitäten.

In Zusammenarbeit mit lokalen Partner*innen in Tambopata ist die Wyss Academy an der Entwicklung von Lösungen beteiligt, die Biodiversität erhalten, Waldbewirtschaftung stärken und nachhaltige Einkommensmöglichkeiten schaffen sollen. Gemeinsam setzen sich alle Beteiligten dafür ein, diese Waldlandschaft von globaler Bedeutung zu erhalten, während der Druck auf die Umwelt weiter zunimmt. Im Rahmen des Solutionscapes liegt der Fokus darauf, die Funktionsfähigkeit der Wälder zu erhalten und degradierte Flächen auf eine naturfördernde und produktive Weise wiederherzustellen. Dabei konzentrieren sich die Anstrengungen auf drei Hebel: erstens die Förderung von Innovationen und nachhaltigen Unternehmen, die nicht holzbasierte Waldprodukte wie die Amazonasnuss nutzen; zweitens die produktive Nutzung degradierter Flächen im Rahmen von Agroforstsystemen; drittens die Unterstützung der Provinzbehörden, naturfördernde Ansätze in ihre Politik zu integrieren.

«Rückblickend war 2025 das Jahr, in dem echte Kohärenz entstanden ist. Ich habe erlebt, wie sich unsere Arbeit von einer Reihe paralleler Initiativen zu einem vernetzten Solutionscape entwickelt hat, die sich stärker an gemeinsamen Ergebnissen als an einzelnen Projekten orientiert. Die Konsolidierung unserer Theory of Change hat dazu beigetragen, Forschung, Projektgestaltung, Partnerschaften und Gouvernanz auf eine gemeinsame Richtung auszurichten und zugleich eine Arbeitsweise zu stärken, die auf Lernen, Zusammenarbeit und Anpassung beruht. Dieser Wandel ermöglicht es uns, der Komplexität von Tambopata besser zu begegnen und Veränderung dort zu unterstützen, wo sie tatsächlich stattfindet.»

Wichtigste Erfolge im Jahr 2025

Das Jahr 2025 wird als Startpunkt gesehen, ab dem der integrierte Ansatz der Wyss Academy seine Wirkung entfaltet. Die Partner*innen haben ihre Aktivitäten stärker auf eine gemeinsame Richtung ausgerichtet. Die Basis an wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde weiter ausgebaut, etwa durch Studien zu territorialer Organisation oder zum handwerklichen Bergbau und durch die Erhebung vergleichbarer Kennzahlen für die Agroforstwirtschaft. Zugleich entsteht ein Ökosystem für nachhaltiges Unternehmertum inklusive öffentlicher Unterstützungsmassnahmen, technischer Begleitung und niederschwelliger Beratung und Finanzierung.

Vor Ort hat sich die Zusammenarbeit im Tourismussektor institutionalisiert: Früher hatte die Koordination eher lose stattgefunden, nun bestehen Strukturen für die Organisation, Verwaltung und ein wirksames Biodiversitätsmonitoring. Zudem sind die Inhalte der regionalen Dialoge im Rahmen der nationalen Politik aufgegriffen worden. Zusammengenommen haben diese Entwicklungen dazu geführt, dass eine kohärente Plattform entstanden ist, die Waldschutz mit tragfähigen Existenzmodellen verbindet und praxisnahe Erkenntnisse bereitstellt, damit Organisationen, Wirtschaft und Politik naturfördernde Entscheidungen treffen können.

  • Wichtigste Ergebnisse

  • Lokale Partner*innenorganisationen bei der Umsetzung von Hub-Aktivitäten 39

  • Engagement-Aktivitäten (Politikdialoge, Workshops, Events für Gemeinschaften und Jugendliche) 53

  • Teilnehmende an Umwelt- und Naturschutzaktivitäten 1000

  • Aus der Suche nach Chancen wurde ein Ökosystem für nachhaltige Unternehmen

    Im Jahr 2025 konnte der Hub in seiner Vermittlerrolle erfolgreich das nachhaltige Unternehmertum vorantreiben. An der Seite der Wyss Academy haben Partner*innenorganisationen zentrale Voraussetzungen dafür geschaffen, dass relevante Ideen bis zu einer potenziellen Markteinführung begleitet werden. Das regionale Innovationsökosystem (DER) konnte öffentliche Mittel sichern, um in Tambopata einen Bioeconomy-Hub aufzubauen und eine offizielle Anlaufstelle für die Förderung von Unternehmen zu bieten.

    Unter der Leitung von Marca Madre de Dios und Fab Lab wurde zudem der Preis «Amazonia 5.0 Award: Businesses Transforming the Industry» lanciert. Fünf Organisationen wurden ausgewählt und setzen nun resilientere und regenerativere Industriemodelle um. Darüber hinaus hat ein Programm für Unternehmensentwicklung seine Arbeit aufgenommen: In Kooperation mit der Schweizer Stiftung für internationale Entwicklungszusammenarbeit Swisscontact sollen die Managementkapazitäten kleiner naturfördernder Unternehmen in Tambopata unterstützt werden. Parallel dazu wurde durch die Partnerschaft mit dem Impact-Investor Amazonia Impact Venture eine Pipeline für wirkungsorientierte Finanzierung aufgebaut.

    Die Partnerschaften mit GRADE (Group for the Analysis of Development) und FENAMAD (Federación Nativa del Río Madre de Dios y Afluentes) haben die Wissensproduktion und das Wahrnehmen territorialer Verantwortung unterstützt. Innovative Agroforstsysteme wurden vorangetrieben in Zusammenarbeit mit CITE Productivo, AIDER (Asociación para la Investigación y Desarrollo Integral), UNAMAD (Universidad Nacional Amazónica de Madre de Dios) und EcoDely. Rohstoffe biologischen Ursprungs auf der Grundlage lokaler Mikroorganismen haben konventionelle Agrochemikalien ersetzt – und es zeigte sich: Ökologische Wiederherstellung und wirtschaftliche Tragfähigkeit können sich verstärken. Darüber hinaus bestätigt die Forschung, dass diese Systeme Lebensräume für Biodiversität schaffen, indem sie Waldbedingungen nachahmen. Diese Ergebnisse schaffen eine belastbare, datenbasierte Grundlage für die Förderung traditioneller Agroforstwirtschaft.

    Alejandro Portillo, Senior Research Associate, installiert Bodenfeuchtesensoren bei der Asociación de Agricultura Ecológica.
  • Von einer fragmentierten Tourismuslandschaft zu einer koordinierten Naturtourismus-Bewegung

    Im Bereich Tourismus hat die Wyss Academy 2025 zentrale Fortschritte erzielt. Dem war ein kontinuierlicher Dialog-Prozess mit öffentlichen und privaten Akteurinnen vorangegangen, der fachlich von der Schweizer Stiftung Swisscontact begleitet worden war. In der Folge haben sich lokale Tourismusunternehmerinnen intern stärker organisiert, eine Formalisierung vorangetrieben und dabei gemeinsame Räume für Entscheidungen geschaffen. Daraus entstand die Tourism Association Bajo Madre de Dios. Heute ist sie eine der am stärksten verankerten Organisationen im Solutionscape und eine wichtige Akteurin für die Steuerung der Destinationen.

    Mit diesen gestärkten Kapazitäten hat die Vereinigung dazu beigetragen, mehr als 18'000 Hektar Amazonaswald zu schützen. Sie hat die Lebensgrundlagen von rund 350 lokalen Familien unterstützt und bei einem einzigen Treffen 162 Business-to-Business-Begegnungen ermöglicht. Diese Ergebnisse zeigen eine deutliche Veränderung: Eine zuvor fragmentierte Tourismuslandschaft hat sich zu einem koordinierten Tourismus-Korridor der Destination Tambopata entwickelt, getragen von Zusammenarbeit und Vertrauen.

    Durch freiwillige Vereinbarungen sowie den Einsatz von Kamerafallen und AudioMoths überwacht die Vereinigung heute mehr als 18'000 Hektar Amazonaswald. Bisher wurden durch akustisches Monitoring 267 Arten erfasst, Kamerafallen dokumentierten 26 Säugetierarten. Das verdeutlicht: Wenn Tourismus gut organisiert und lokal getragen wird, kann er dazu beitragen, Wälder zu erhalten und langfristigen Wert für Natur und Mensch zu schaffen.

    Der erste Tourism Business Summit der Destination Tambopata brachte 45 Unternehmen zusammen und ermöglichte mehr als 160 B2B-Gespräche. Die Veranstaltung ist Teil des Programms Destino Tambopata von Swisscontact und der Wyss Academy.
  • PERUMIN: Dem Schweigen ein Ende setzen – Konstruktive Dialoge über handwerklichen und kleinräumigen Goldabbau

    Der handwerkliche und kleingewerbliche Goldabbau (ASGM) in Madre de Dios ist eine der grundlegendsten Herausforderungen für Natur und Mensch. Bisherige Ansätze, die Bergleute kriminalisierten, sie von Entscheidungsprozessen ausschlossen oder die eigentlichen Ursachen des ASGM nicht angingen, haben keinen dauerhaften Wandel bewirkt. Das Problem verschwindet nicht, wenn man es ignoriert – der Druck und die Risiken wachsen weiter.

    In diesem Jahr hat die Wyss Academy ihre Perspektive auf den handwerklichen Goldabbau auf verschiedenen Ebenen eingebracht – etwa in Partnerschaft mit der Schweizer Handelskammer und der Schweizer Botschaft in Peru an der PERUMIN, einer der wichtigsten Bergbaukonferenzen der Region. Die Wyss Academy war Teil der technischen Arbeitsgruppe zu ASGM. Gemeinsam mit Pure Earth, CINCIA, Solidaridad und dem Women ASGM Network of Madre de Dios wurde auf die Dynamiken und Potenziale des ASGM aufmerksam gemacht.

    Im Swiss Pavilion schuf die Wyss Academy mit Videos, Aussagen von Personen aus der Praxis und Informationsmaterial einen immersiven Raum, der den Besucherinnen ein Verständnis für die Menschen und Herausforderungen hinter ASGM vermitteln sollte. Diese Aktivitäten haben zu einem kontinuierlichen Austausch mit Vertreterinnen aus dem öffentlichen und privaten Sektor, aus der Wissenschaft sowie aus der Zivilgesellschaft geführt. Traditionell wird dieser Bereich vom industriellen Bergbau beherrscht, weshalb der Fokus diesmal auf die Arbeit von Frauen und lokalen Führungspersonen gelegt wurde.

    Die Wyss Academy beteiligte sich zudem am TIS Forum, einer der zentralen Plattformen der PERUMIN, und brachte über hundert Teilnehmende zu einer aktiven Diskussion über praktische Schritte hin zu einem stärker regulierten und verantwortungsvolleren ASGM zusammen.

    Podiumsdiskussion über Wissenschaft und Allianzen in der Praxis für einen verantwortungsvolleren kleinräumigen Goldabbau (MAPE) in Madre de Dios.

Impact Story

  • Vergangenheit ehren, Zukunft gestalten: Die Geschichte von Luis Farfán

    Luis Farfán wurde in Puerto Maldonado in eine Bauernfamilie geboren. Seine Eltern betrieben konventionelle Landwirtschaft, bauten Reis, Mais und andere Kulturen für den Eigenbedarf an. Waldrodung, ausgelaugte Böden und geringe Erträge waren für ihn stets eng mit diesem Modell verbunden. «Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen», sagt Luis, «aber ich mochte sie nicht. Ich fand sie langweilig.» Für ihn hat sich Landwirtschaft so angefühlt, als sei sie getrennt von der Natur. Sie hat ihm wenig Perspektiven für die Zukunft geboten.

    Während seines Studiums suchte Luis nach anderen Formen der Landnutzung. Dabei stiess er auf Agroforstsysteme. Zum ersten Mal sah er den Wald nicht mehr als etwas, das entfernt werden muss, sondern als ein System, das verstanden und nachgeahmt werden kann. «Ich habe angefangen, den Wald auf eine andere Weise zu lieben.» Diese neue Sichtweise hat seinen weiteren Weg stark geprägt.

    Luis Farfán zwischen jungen Copoazú-Setzlingen in einer Agroforst-Baumschule.

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