Stewardship-Initiativen für Natur und Mensch in Waldgrenzgebieten

Solutionscape

Drei Elefanten stehen am Rand eines Waldteichs im Elephant Conservation Center in Xayabury, Laos.

Teil der Region

Laos & Thailand

Laos & Thailand

Stewardship-Initiativen für Natur und Mensch in Waldgrenzgebieten

Solutionscape

Teil der Region

Laos & Thailand

Laos & Thailand

Die Landwirtschaft im Schutzgebiet Nam Tien hat sich unkontrolliert ausgebreitet und dazu geführt, dass heute nurmehr 40 Prozent der Fläche bewaldet ist. Den für den Schutz des Gebiets verantwortlichen lokalen und regionalen Behörden fehlt es häufig an Ressourcen, Kapazitäten und auch Durchsetzungskraft. So fallen die Waldgebiete an vielen Orten nicht nachhaltigen Anbaupraktiken zum Opfer. Angebaut werden unter anderem Mais, Maniok, Bananen, Wassermelonen und Kautschuk. In der Folge verschwinden Wildtiere, der Boden erodiert, Wasser wird verschmutzt und sein Fluss unterbrochen. Gleichzeitig profitieren auch die Bauernfamilien nur schwerlich von dieser Strategie, denn sie sind der Unberechenbarkeit der Märkte ausgesetzt und kämpfen mit unsicheren Einkommensverhältnissen. Zusätzlichen Druck erzeugt ein ausländischer Investorenkreis: Ungeachtet weiterer Belastungen für die Natur und Herausforderungen für die lokalen Gemeinschaften nimmt er Waldflächen für grossflächige Landwirtschaft ins Visier.

Die Wyss Academy begegnet diesen problematischen Entwicklungen im Schulterschluss mit Vertretenden von lokalen Behörden, Gemeinschaften, des privaten Sektors und von Forschenden. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur zu entwickeln, die zugleich den Menschen zugutekommen. Die laufenden Projekte sind eng miteinander verknüpft und fokussieren sich auf neue Geschäftsmodelle für den Naturschutz sowie eine gemeinschaftliche Verwaltung der Schutzgebiete. Zudem werden einerseits innovative agroforstwirtschaftliche Methoden erprobt, um den Baumbestand wiederherzustellen. Andererseits schaffen die Beteiligten naturverträgliche Einkommensmöglichkeiten für die Menschen vor Ort, wobei technische, markt- und bildungsorientierte Ansätze miteinander verbunden werden.

«Im Verlauf des Jahres 2025 konnten wir sehen, wie unsere Arbeit mit Schulen und der Bildungsverwaltung zur Unterstützung lokaler Lebensgrundlagen an Fahrt aufgenommen hat. Viele unserer Ansätze haben sich im Alltag verankert. Unsere Partner am Elephant Conservation Center und am Technical Service Centre verfügen heute über Mittel und Kapazitäten, um ihre Naturschutz- und Entwicklungsarbeit zu vertiefen. Zu verdanken ist das auch der Zusammenarbeit mit unserer chinesischen Partnerorganisation, dem Kunming Institute of Biodiversity, sowie dem Department of Land Administration and Management vor Ort. Wir sind auf die Grundlagen stolz, die durch starke lokale Partnerschaften entstanden sind. Doch der aktuelle wirtschaftliche und politische Kontext setzt breiteren strukturellen Veränderungen klare Grenzen. Mit begrenzten Ressourcen richten wir unsere Arbeit somit stärker auf die Bereiche aus, in denen das Potenzial für langfristige systemische Wirkung am grössten ist.»

Horst Weyerhaeuser
Former Hub Southeast Asia Director

Wichtigste Erfolge im Jahr 2025

Im Jahr 2025 wurde die enge Zusammenarbeit mit Schulen rund um Nam Tien in Xayabury fortgesetzt. Dabei ging es bei Lehrpersonen und Schüler*innen unter anderem darum, sie zu befähigen, eigenverantwortlich den Bereich der Umweltbildung zu leiten. Mitarbeitende des Agricultural Technical Service Center haben agroforstwirtschaftliche Trainings erhalten – so können sie ihre Unterstützung für lokale Gemeinschaften ausbauen. Parallel dazu zeigte die neue mobile Wildtierklinik WILDMED, wie sie das Wildtierrettungssystem in Laos sinnvoll ergänzt – auch an der Seite des Programms Education, Conservation and Research (ECORE). WILDMED hat zudem dazu beigetragen, das Lao Elephant Conservation Center (ECC) als Anlaufstelle für lokale und regionale Biodiversitätsforschung und Umweltbildung weiterzuentwickeln.

Dabei war zu beobachten, dass die Lage in Laos immer komplexer wird. Um strukturelle Veränderungen im grösseren Massstab anzustossen, braucht es dauerhaft politische Abstimmungen und wirksame Durchsetzungskapazitäten. Beides wird durch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen geprägt. Vor diesem Hintergrund wird der Schwerpunkt auf die Bereiche gelegt, in denen die Wyss Academy durch ihre Arbeit und im Rahmen begrenzter Ressourcen den grösstmöglichen Beitrag zu einem systemischen Wandel leisten kann. Natürlich haben langfristige Verpflichtungen Bestand – etwa gegenüber Partnerorganisationen und lokalen Kapazitäten, die in Nam Tien aufgebaut wurden

  • Wichtigste Ergebnisse

  • lokale und internationale Partnerorganisationen 15

  • Partnerschulen erhielten im Juli 2025 Green School-Zertifikate 5

  • teachers trained in environmental education in the past two years 229

  • Umweltbildung in Xayabury auf dem Weg zur Eigenverantwortung

    Zum Start der Arbeit in Nam Tien, Xayabury, hat die Wyss Academy Schulen ausfindig gemacht, um die lokalen Gemeinschaften über junge Menschen zu erreichen – die künftigen Verantwortungsträgerinnen für die Umwelt. Da formale Systeme oder Infrastrukturen für Umweltbildung fehlten, lag der Fokus darauf, bei Schülerinnen ein Verständnis für ihre Eigenverantwortung zu fördern und so Grundlagen für den langfristigen Umweltschutz zu legen. Über zwei Jahre wurde mit Schulen und Behörden daran gearbeitet, praxisorientierte Kapazitäten in der Umweltbildung aufzubauen. Themen waren unter anderem Abfallmanagement, organische Kompostierung oder Trainings zur Anpassung an den Klimawandel. Ein wichtiger Aspekt waren auch Verbesserungen der Schulinfrastruktur, um lernförderliche Umgebungen zu schaffen. Fünf Schulen haben von Beginn an am Programm teilgenommen; alle haben bis Juli 2025 Green School-Zertifikate des Xayabury Provincial Department of Natural Resources and Environment erhalten. Parallel dazu wurden mehr als 229 Lehrpersonen geschult, damit Umweltbildung in den Schulen eigenständig weitergeführt werden kann.

    Heute betreibt jede teilnehmende Schule ein eigenes Abfallmanagementsystem, schult Schüler*innen in Abfalltrennung und Kompostierung. Dabei kooperieren sie direkt mit lokalen Behörden – geprägt durch den Austausch mit 111 Community-Mitgliedern und Amtspersonen. Diese Grundlagen ermöglichen es Schulen, eigene Vorschläge zu entwickeln und die Gemeinschaftsarbeit auszubauen. Dadurch können auch nach der Projektlaufzeit biodiversitätsbezogene Aktivitäten fortgesetzt werden.

    Lehrpersonen an einer Schule in der Provinz Xayabury begutachten Setzlinge und Stecklinge und verbinden Alltagsroutinen an der Schule mit Umweltbildung.
  • Wildtierklinik WILDMED ergänzt den Tierschutz an der Frontlinie der Wildtiermedizin in Laos

    Um Biodiversitätsschutz und Forschung in Nam Tien, Xayabury, besser aufzustellen, unterstützt die Wyss Academy die mobile Wildtierklinik WILDMED. Durch ihre Arbeit werden die Kapazitäten des Elephant Conservation Center (ECC) zur Rettung wilder Elefanten ausgebaut. Dabei trägt WILDMED dazu bei, Grundlagen für langfristigen Wildtierschutz und Biodiversitätsforschung im Solutionscape und in ganz Laos zu legen.

    Die Klinik ist ein wichtiges Element der Einsatzfähigkeit vor Ort. Sie rüstet Feldteams für längere Einsätze aus und hilft, Reisekosten oder auch den Bedarf an Medikamenten, Material und grundlegender Diagnostik zu decken. So können die Einsatzteams die Behandlung und den sicheren Transport der Tiere in den Mittelpunkt stellen. WILDMED wird über zwei zentrale Naturschutzpartner betrieben: das Elephant Conservation Center (ECC) und den Lao Conservation Trust for Wildlife (LCTW). Auf diesem Weg trägt die langjährige Erfahrung in der Wildtierrettung des LCTW auch dazu bei, das ECC auszubauen.

    Mit dem ECC, einem wichtigen Akteur im laotischen Elefantenschutz, ist WILDMED eng verknüpft. 2024 wurde gemeinsam das Programm Education, Conservation and Research (ECORE) aufgelegt. Ziel ist, das ECC als wissenschaftlichen Stützpunkt für Studierende und Forschende zu positionieren und Biodiversitätswissenschaft mit Sozialwissenschaft und Gemeinschaftsentwicklung zu verbinden. Das Programm unterstützt zudem ein Geschäftsmodell, das über Ökotourismus hinausgeht. Auf dieser Basis konnte das Programm 2025 direkt von WILDMED-Einsätzen profitieren. Daten und Informationen sind in die Arbeit von ECORE und des Endokrinologie-Labors des ECC eingeflossen – durch das Sammeln biologischer Proben und die Weitergabe von Erfahrungen der Mahouts, wie Elefantenführer*innen genannt werden.

    Es wurden bereits konkrete Meilensteine erreicht: Der LCTW stellte den ersten lokalen Wildtierarzt seit nahezu einem Jahrzehnt ein und das ECC gewann die erste Lao-Frau, die eine Lizenz als Elefanten-Tierärztin besitzt, als Mitarbeiterin. Die Wyss Academy fördert zudem weiterhin das Angebot an Wildtier-Trainingskursen. So sollen junge Veterinär*innen in Laos kontinuierlich Wissen und praktische Erfahrungen in der Wildtiermedizin aufbauen. Zusammen stärkt dies dauerhaft die Kapazitäten für Wildtierschutz und die Biodiversitätsforschung im Solutionscape und darüber hinaus.

    Veterinärstudierende einer laotischen Universität sammeln bei einem WILDMEDTraining in Xayabury praktische Erfahrung im Umgang mit Wildtieren.
  • Lokale Kapazitäten für Agroforstwirtschaft in Xayabury

    Im ländlichen Xayabury braucht es Alternativen zu einer Forstwirtschaft, die auf Entwaldung beruht. Doch diese werden stark durch knappe Ressourcen und einen eingeschränkten Marktzugang beschränkt. Hier setzt eine 2024 gegründete Multistakeholder-Gruppe an, der Vertretende von Behörden und Forschungsinstitutionen, Akteur*innen aus dem privaten Sektor und lokalen Gemeinschaften angehören. 2025 legte diese den Fokus darauf, eine gemeinsame Vision für Agroforstwirtschaft über das Agroforestry Learning Center am Agricultural Technical Service Center (ATSC) in die Praxis zu übersetzen.

    Im Rahmen des Projekts wurden eine Agroforst-Baumpflanzung sowie eine Produktion von Setzlingen für die Gemeinschaften etabliert. Die Infrastruktur wurde durch ein Gewächshaus auf Basis von Solarenergie, eine Baumschule und ein modernisiertes Bewässerungssystem ergänzt. Für den Kompetenzaufbau wurden Trainings zur Kompostherstellung für ATSC-Mitarbeitende, sechs Schulen und vier Dörfer angeboten. Um lokale Lern- und Monitoring-Kapazitäten ging es bei Projekten zur Verbesserung des Pilzlabors und meteorologischer Einrichtungen.

    Durch Aktivitäten in den Dörfern rund um Nam Tien und die Zusammenarbeit mit der Xayabury Ethnic Minority School ist das Interesse an Agroforst-Ansätzen stetig gewachsen. Zusammen mit den verbesserten ATSC-Strukturen sind somit wichtige Grundlagen für Demonstrationsflächen, Lern-Strukturen und mögliche Feldversuche in landwirtschaftlichen Betrieben entstanden.

    Eine Kompostschulung an einer Schule im ländlichen Xayabury, geleitet von ATSC– Lernen, das im Boden beginnt und in Klassenzimmer und Haushalte zurückwirkt.

Impact Story

  • Wege für Wildtiermedizin ebnen: Elefantenrettung innerhalb und ausserhalb des Solutionscapes

    Ein junger Elefant steckt in einem Entwässerungsgraben fest. Seine Beine sind eingeklemmt, sein Körper ist erschöpft. Das war der alarmierende Anblick, der sich Dorfbewohnenden im Februar 2025 in Mokkok-Noy bot. Die Menschen dieser abgelegenen Ortschaft in den Bergen der laotischen Provinz Phongsali leben an der Seite der Elefanten und haben den Vorfall sofort gemeldet. Doch in Laos kann Hilfe im Notfall Tage entfernt sein – wenn sie überhaupt kommt.

    Als die Meldung die Provinzbehörden erreichte, kontaktierten diese umgehend die mobile Wildtierklinik WILDMED. Das Team machte sich auf den Weg und fuhr über schmale, kurvenreiche Bergstrassen nach Mokkok-Noy. Geleitet wurde der Einsatz von den Tierärztinnen Melody Bomon und Pavina Chalernsouk, die sich dabei eng mit Dorfbewohnenden und Behörden koordinierten.

    Gesundheitscheck bei einem Elefanten im Feld: Ein Mitglied des WILDMED-Teams macht neben einem Mahout Notizen.

Projekte in diesem Solutionscape

Publikationen zum Thema