Wege für Wildtiermedizin ebnen: Elefantenrettung innerhalb und ausserhalb des Solutionscapes

Impact Story

Veröffentlichungsdatum: 16. Oktober 2025

Gesundheitscheck bei einem Elefanten im Feld: Ein Mitglied des WILDMED-Teams macht neben einem Mahout Notizen.

Teil des Solutionscape

Stewardship-Initiativen für Natur und Mensch in Waldgrenzgebieten

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Veröffentlichungsdatum: 16. Oktober 2025

Ein junger Elefant steckt in einem Entwässerungsgraben fest. Seine Beine sind eingeklemmt, sein Körper ist erschöpft. Das war der alarmierende Anblick, der sich Dorfbewohnenden im Februar 2025 in Mokkok-Noy bot. Die Menschen dieser abgelegenen Ortschaft in den Bergen der laotischen Provinz Phongsali leben an der Seite der Elefanten und haben den Vorfall sofort gemeldet. Doch in Laos kann Hilfe im Notfall Tage entfernt sein – wenn sie überhaupt kommt.

Als die Meldung die Provinzbehörden erreichte, kontaktierten diese umgehend die mobile Wildtierklinik WILDMED. Das Team machte sich auf den Weg und fuhr über schmale, kurvenreiche Bergstrassen nach Mokkok-Noy. Geleitet wurde der Einsatz von den Tierärztinnen Melody Bomon und Pavina Chalernsouk, die sich dabei eng mit Dorfbewohnenden und Behörden koordinierten.

Fünf Tage lang bemühten sich die Dorfgemeinschaft und das Rettungsteam darum, das erschöpfte Tier zu retten – etwa mithilfe einer eigens hierfür gebauten Hebekonstruktion. Doch vergebens: Der junge Elefant hatte bereits einige Tage festgesteckt, bevor der Anruf das WILDMED-Team erreicht hat. Die Tragik des Falls liegt darin, dass die Dorfbewohnenden zunächst Hilfe bei lokalen Behörden gesucht hatten und die darauffolgende Weiterleitung des Falls an die Provinz kostbare Zeit gekostet hatte. Noch waren nicht alle ausreichend über die neuen mobilen Strukturen informiert. «Die Provinzbehörde hat uns kontaktiert, denn sie kannte uns. Ich bin schon zuvor bei ihnen gewesen. Ich hoffe, dass es beim nächsten Mal noch schneller geht», erklärte Melody Bomon. Der Einsatz war tragisch, zeigte aber auch die Chancen, wenn Wissen, Gemeinschaften und Systeme zusammenfinden. Für WILDMED war es zugleich die erste Rettungsaktion eines wildlebenden Elefanten – und damit eine seltene Gelegenheit, praktische Erfahrung zu sammeln.

Der junge Elefant liegt am Boden, während die Dorfbewohnenden und das WILDMED-Team eine Holzkonstruktion bauen, um ihn hochzuheben.
Der junge Elefant liegt am Boden, während die Dorfbewohnenden und das WILDMED-Team eine Holzkonstruktion bauen, um ihn hochzuheben. / Foto: WILDMED

Die Bedeutung der Elefanten für das Ökosystem beschreibt WILDMED-Mitarbeiterin Moukthida Vilasith, die erste Laotin mit Lizenz als Elefanten-Tierärztin: «Elefanten sind eine Schirmart. Ihre täglichen Aktivitäten tragen dazu bei, dass unzählige andere Arten in ihrem Ökosystem bestehen können.» Sie leitet die Elefantenpflege am ECC und engagiert sich stark in der Einbindung von Lao-Studierenden. «Viele Studierende interessieren sich stärker für Wildtier-Veterinärarbeit, seit sie sehen, dass ich das als Lao-Frau tun kann.» Ihr Blick nach vorn bleibt klar und zugleich realistisch: «Wir hoffen, dass unsere nächsten Generationen Elefanten nicht nur von Bildern kennen werden.» Für sie ist es wie ein ferner Traum, dass eines Tages wieder grosse Herden durchs Land ziehen könnten.

ine Frau in medizinischer Kleidung lächelt in einer Naturumgebung
Moukthida Vilasith (Mouk), die erste in Laos zugelassene Elefantenveterinärin.

Es ist eine Herausforderung, allein den Elefantenbestand zu sichern. Junge Elefanten – besonders in ihren ersten fünfzehn Lebensjahren – sind stark gefährdet durch das oft tödliche Herpesvirus Elephant Endotheliotropic (EHV). 2025 wurden vier Kälber geboren, zwölf Elefanten starben. Die Gesamtzahl der Elefanten in Laos wird auf rund 800 geschätzt, einige Beobachtende gehen von einer tieferen Zahl aus. Diese Realität zeigt den Bedarf nicht nur an Notfallversorgung, sondern auch an stärkeren Wissens- und Datenstrukturen für den Naturschutz.

WILDMED zielt auf beides ab: Notfallmedizin und langfristigen Aufbau an Kapazitäten, verankert in der Nam Tien Solutionscape. Während der Einsätze sammeln die Teams etwa biologische Proben und unterstützen damit langfristige Forschung zu Elefantengesundheit und Populationsentwicklung. Dazu kooperiert WILDMED mit dem Programm Education, Conservation and Research (ECORE), das von der Wyss Academy und dem ECC gemeinsam entwickelt wurde. Mittel- bis langfristig soll das ECC sich auf diese Weise als Anlaufstelle für Biodiversitätsforschung und professionelle Weiterbildung etablieren. Schon heute ist das seit 2010 aktive ECC besonders in der Provinz Xayabury eine zentrale Institution für Naturschutz im und um das Naturschutzgebiet Nam Tien.

Seit Beginn der Einsätze im November 2024 kontaktierten die Elefantenführenden – Mahouts – die mobile Klinik 21 Mal. Häufig wurden Behandlungen durchgeführt, die womöglich Todesfälle verhindert haben. Im ersten Jahr hat das WILDMED-Team mehr als 100 unterschiedliche Proben von geretteten Tieren gesammelt. Das ist Solutionscape-Arbeit in Nam Tien: Notfallversorgung verbunden mit dem Aufbau an Strukturen und Wissen. Jeder Einsatz trägt dazu bei, den Schutz relevanter Tierarten und die Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften auf solidere Grundlagen zu stellen. Die Fortschritte sind für die Menschen in der Praxis sichtbar und Teil einer sich selbst verstärkenden Entwicklung: schnellere Koordination; mehr Kompetenzen, die im Land verbleiben, sowie eine breitere Datengrundlage für künftig bessere Entscheidungen.

Wildtierpflege in der Praxis: eine Veterinärassistentin mit einem jungen Gibbon im Lao Conservation Trust for Wildlife.
Wildtierpflege in der Praxis: eine Veterinärassistentin mit einem jungen Gibbon im Lao Conservation Trust for Wildlife. / Foto: Chertalay Suwanpanich