Entwicklung Grosses Moos

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Teil der Region

Schweiz

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Einst ein Feuchtgebiet, wurde das Grosse Moos im Rahmen der Juragewässerkorrektionen ab 1868 entwässert, um Platz für den Anbau von Lebensmitteln zu gewinnen und die Region vor Hochwasser zu schützen. Dies führte jedoch gleichzeitig zu einem Rückgang der Biodiversität und einem kontinuierlichen Abbau des nährstoffreichen Torfbodens, der für Moorlandschaften typisch ist. Das Gelände sank dadurch um bis zu 2,5 Meter ab. Diese Situation birgt heute eine Reihe von Herausforderungen: künftige Ernteerträge sind gefährdet, es entstehen Probleme beim Wassermanagement und qualitativ hochwertige Habitate für gefährdete Arten wie beispielsweise Zugvögel sind nicht ausreichend vorhanden. Der Abbau des nährstoffreichen Bodens setzt zudem CO2 frei und trägt damit zum Klimawandel bei. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben der Kanton Bern und die Wyss Academy gemeinsam mit lokalen Partnern Pilotprojekte entwickelt, die seit Herbst 2024 in der Praxis getestet werden. Beteiligt sind Landwirt*innen, lokale Politiker*innen, Umweltverbände, Forschende und kantonale Behörden wie das Amt für Landwirtschaft und Natur (LANAT) des Kantons Bern.

Ziel ist es, gleichzeitig zukünftige Erträge zu sichern, die Biodiversität zu schützen und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die initiierten Pilotprojekte werden wissenschaftlich begleitet und fokussieren sich darauf, Konzeptnachweise für mögliche Lösungen zugunsten gesunder und produktiver Agrarökosysteme zu finden. Eine wichtige Grundlage ist eine neue Bodenkarte, die zeigt, dass in den Böden des Grossen Mooses heute nur noch wenig organische Substanz verbleibt und dass diese sehr ungleichmässig verteilt ist. Das unterstreicht die Bedeutung von standortspezifischen Massnahmen. Im ersten Anbaujahr 2025 wurden bei allen fünf Pilotprojekten wertvolle Fortschritte gemacht und Erkenntnisse gewonnen.

«Zwischen den einzelnen Pilotprojekten sind inzwischen viele wertvolle, teils unvorhergesehene, Synergien entstanden.»

Wichtigste Erfolge im Jahr 2025

  • Wichtigste Ergebnisse

  • offizielle Partnerschaften 12

  • Engagement-Veranstaltungen 8

  • Pilotprojekte 5

  • Gute Erträge dank passiver Bewässerung

    Im Rahmen des Pilotprojekts «Gezieltes Wassermanagement durch passive Bewässerung» wird derzeit in einem Betrieb im Grossen Moos getestet, ob es möglich ist, durch den gezielten Einstau des Drainagesystems die organischen Bodenschichten feucht zu halten und gleichzeitig den Kulturpflanzen ausreichend Wasser durch kapillaren Wasseraufstieg zur Verfügung zu stellen und damit den Bewässerungsaufwand zu reduzieren. Messungen im ersten Anbaujahr 2025 mit diesem passiven Bewässerungssystem deuten auf verschiedene positive Effekte hin: Die Oberflächenbewässerung wurde deutlich reduziert, während die landwirtschaftlichen Erträge höher als erwartet ausgefallen sind. Gleichzeitig wurde ein geringerer CO2-Ausstoss im Vergleich zu ähnlichen Flächen in der Region gemessen.

    Ein praktischer Blick auf den Pilotversuch zur passiven Bewässerung im Grossen Moos: Matthias Schwab mit dem Feldaufbau, der für das Monitoring genutzt wird.
  • Aufgewertete Flächen bergen diverse positive Effekte

    Landwirtschaft und Biodiversität – beides braucht Platz. Im Solutionscape «Entwicklung Grosses Moos» sind 15 Prozent der Flächen sogenannte Biodiversitätsförderflächen (BFF). Fachpersonen zufolge sind jedoch zwei Drittel davon für die Biodiversität von geringem bis sehr kleinem Mehrwert. Die Ökoflächen müssen regelmässig gepflegt werden, um den ökologischen Wert zu erhalten. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind jedoch nicht auf die Pflege dieser Biotope spezialisiert und die bestehenden Anreize im Vergleich zu den hohen Umsätzen der Gemüseproduktion sind gering.

    Der Biotopverbund Grosses Moos, eine lokale Stiftung zur Förderung naturnaher Flächen, hat sich der Aufgabe angenommen, die minderwertigen Ökoflächen durch individuelle und gezielte Pflegemassnahmen aufzuwerten und die langfristige Pflege zu sichern. Dafür wurden im Rahmen des Pilotprojekts «Unterhalt und Pflege der Biotope im Grossen Moos» die technischen Grundlagen in Form eines digitalen Pflegetools geschaffen. Darauf aufbauend wurden ein Pflegekonzept und eine neue Form der Verwaltung entwickelt: Der Biotopverbund strebt eine Aufwertung der Flächen an, was mehr Direktzahlungen nach sich zieht. Im Einvernehmen mit den Bewirtschaftenden werden die zusätzlichen finanziellen Mittel dem Biotopverbund für die Pflege zur Verfügung gestellt. Bereits mehr als 80 aufgewertete Heckenelemente und 40 teilnehmende Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter zeugen vom Erfolg dieser Idee.

    Blick über die Region Grosses Moos – hier setzt der Biotopverbund-Ansatz darauf, Lebensräume zu verbessern und zu vernetzen, statt nur einzelne, isolierte Flächen hinzuzufügen.
  • Beratungsangebot für Landwirtschaftsbetriebe zeigt Wirkung

    Im Grossen Moos besteht ein erhebliches Potenzial zur Schaffung von Lebensräumen für heute gefährdete Arten. Das Pilotprojekt «Potenziale von Biodiversitätsförderflächen durch Beratung nutzen» bündelt unter der Leitung von Birdlife Schweiz das vorhandene ökologische Wissen verschiedener Akteure zu einem umfassenden Beratungsangebot, das den landwirtschaftlichen Betrieben kostenlos zur Verfügung steht. Gemeinsam mit den Bewirtschaftenden werden betriebsspezifische, individuell abgestimmte Massnahmenpläne erarbeitet, die für Zielarten wie Grauammer, Turteltaube, Kiebitz und Kreuzkröte eine möglichst grosse Wirkung entfalten sollen. Erste Beratungen fanden 2025 statt und wurden von den Bewirtschaftenden als äusserst positiv beurteilt.

    Ergänzt wird das Pilotprojekt durch das Vorhaben «Qualitativ hochwertige Biodiversitätsförderflächen an den richtigen Standorten». In diesem Rahmen werden neue regionalspezifische Typen von Biodiversitätsförderflächen entwickelt. Diese umfassen standortangepasste Saatgutmischungen, kombiniert mit Buschgruppen und weiteren Strukturelementen, die auf die nährstoffreichen Böden sowie auf die lokalen Zielarten abgestimmt sind. Wo erforderlich, werden zudem Flächen getauscht, um eine gute Konnektivität der Habitate sicherzustellen. Die Wirkung der neu entwickelten Saatgutmischung «Bird&Life-Rotationsbrache» wurde im Rahmen einer Masterarbeit untersucht. Dabei wurden die Insektengemeinschaften auf diesen Flächen mit jenen herkömmlicher Brachetypen im Grossen Moos verglichen. Die Ergebnisse zeigen eine signifikant unterschiedliche Artenzusammensetzung und weisen auf eine erhöhte taxonomische sowie funktionelle Diversität hin. Die Studie liefert damit erste wissenschaftliche Hinweise darauf, dass standortangepasste, zielartenspezifische Saatgutmischungen einen messbaren Mehrwert für die Biodiversitätsförderung leisten können.

    Die eigens für die Standortbedingungen im Grossen Moos entwickelte BirdLife-Rotationsbrache bietet Vögeln ein reiches Angebot an Insekten und Samen.

Impact Story

  • Passive Bewässerung und Bodenschutz – Neue Wege für Landwirtschaft im Grossen Moos

    Das Pilotprojekt «Gezieltes Wassermanagement durch passive Bewässerung» ermöglicht im Grossen Moos den Praxistest für einen neuen Ansatz. Matthias Schwab macht damit erste Erfahrungen im Grissachmoos, wo er mit seiner Familie einen Landwirtschaftsbetrieb leitet.

    Zwischen dem Zihlkanal und einem wichtigen Entwässerungsgraben befindet sich einer der tiefsten Punkte der Gemeinde Gals – ein Gebiet, das unter dem alten Flurnamen Wasserhof bekannt ist. Genau hier bewirtschaftet Matthias Schwab mit seiner Familie einen Betrieb. Der Name verweist auf die Problematik der stehenden Nässe. Ohne Drainagen wäre hier keine landwirtschaftliche Produktion möglich. «Das Wasser sucht sich immer seinen Weg», sagt Schwab. Während Drainage für viele reine Technik darstellt, ist sie für ihn Teil einer grösseren Idee: Wasser lenken, Böden erhalten, Landwirtschaft neu denken.

    Ein Arbeitsgespräch auf dem Hof der Familie Schwab im Grossen Moos – Matthias (rechts) und Markus Schwab im Austausch über Drainage, Wasser, und Bodenbedingungen.

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