Ein Landwirt, ein Werkzeug, doppelte Ernte
Impact Story
Veröffentlichungsdatum: 20. Mai 2026

Teil des Solutionscape
Umweltgerechtigkeit im globalen Biodiversitäts-Hotspot
Umweltgerechtigkeit im globalen Biodiversitäts-HotspotEin Landwirt, ein Werkzeug, doppelte Ernte
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Umweltgerechtigkeit im globalen Biodiversitäts-Hotspot
Umweltgerechtigkeit im globalen Biodiversitäts-HotspotVeröffentlichungsdatum: 20. Mai 2026
In der Ortschaft Fizono im nordmadegassischen Mahalevona-Tal liegen Reisfelder in kleinen Parzellen verstreut. Doch der Zugang zu Werkzeugen ist in dieser abgelegenen Region nahe dem Masoala-Nationalpark stark begrenzt. Für den jungen Landwirt Delien, der einen Drei-Personen-Haushalt unterstützt, ist das eine alltägliche und belastende Einschränkung. Im Juni 2024 hat er mit dem Reisanbau auf gepachteten Feldern begonnen. Die Abmachung mit den Landbesitzer*innen aus der weiter nördlich gelegenen Küstenstadt Sambava besagt, dass diese einen Teil der Ernte erhalten. Da nur er und seine Frau die Arbeit mit zwei paar Händen verrichten konnten, war die Bewirtschaftung langsam und kräftezehrend. Tierische Zugkraft hätte helfen können – gemeint ist damit das Pflügen mit einem in Madagaskar üblichen Zebu-Rind. Die Kosten übersteigen jedoch mit 800'000 Malagasy Ariary (176 USD) für eine Anbausaison deutlich die Möglichkeiten des Haushalts.
«Nachdem wir den Anteil an den Landbesitzer abgegeben hatten, ist für uns fast nichts mehr übriggeblieben. Wir haben hart gearbeitet, aber wir mussten ständig mit einem Reismangel rechnen.»
Delien
Delien suchte nach einer Alternative und baute zunächst mit lokal verfügbaren Materialien und eigenem Wissen einen Holzpflug. Doch dieser war für den Einsatz in den schlammigen Böden wenig geeignet, erforderte übermässigen Kraftaufwand und konnte Gras weder ausreichend schneiden noch wenden. Die Herausforderung war offensichtlich: Ohne Zugang zu besseren Werkzeugen oder zu praktischem Wissen würde es keine Steigerung der Produktivität und Ernährungssicherheit geben. Anfang 2025 kam Delien in das lokale Gemeinschaftszentrum Ivo-toerana Mirohy in Fizono, das Teil des Solutionscape in Madagaskar ist und der Bevölkerung digitalen Zugang zu Wissen anbietet. Hier suchte er unter anderem mit Tools der Künstlichen Intelligenz nach praktischen Lösungen – und fand sie mittels Videos und Beispielen von Geräten, die Landwirt*innen in anderen Regionen gebaut hatten. Von jungen digitalen Coaches und lokalen Begleitpersonen, die im Gemeinschaftszentrum tätig sind, wurde er dann beim Vergleichen der Ideen und beim praktischen Experimentieren unterstützt. Inspiriert von den neuen Erkenntnissen, überarbeitete Delien seinen Pflug grundlegend. Die neue Version erwies sich als leichter, in überfluteten Feldern stabiler und insgesamt besser für die Arbeit im Reisanbau geeignet. Die Gesamtkosten lagen bei weniger als 100'000 Malagasy Ariary und damit bei einem Achtel der Miete eines Zebu-Rinds. Mit dem verbesserten Pflug konnte Delien rund einen zusätzlichen Hektar Land bewirtschaften – ein unmittelbares und greifbares Ergebnis seiner Bemühungen.


Diese strukturelle Veränderung blieb nicht auf seinen eigenen Haushalt beschränkt: Weitere Landwirtinnen besuchten Deliens Feld, um den Pflug zu testen und von seinen Erfahrungen zu lernen. Zudem kehrte er regelmässig nach Ivo-toerana Mirohy zurück, wo er das Werkzeug durch praktisches Ausprobieren weiterentwickelte und funktionierende Ansätze jeweils an seine Kolleginnen weitergab.
Deliens Geschichte zeigt, wie der Zugang zu Informationen lokale Innovation beflügeln kann – insbesondere, wenn Landwirt*innen nur begrenzten Zugang zu staatlichen Beratungsdiensten und anderen Formen technischer Unterstützung haben. Indem das Solutionscape in Madagaskar lokales Wissen mit digitalen Werkzeugen verbunden hat, konnte ein von jungen Menschen geführter Haushalt seine Lebensgrundlagen verbessern – und das ohne externe Maschinen oder Verschuldung.
«Wenn diese Werkzeuge und Materialien hier oder in Maroantsetra verfügbar wären, könnte die Reisproduktion in unserer Region deutlich beständiger sein. Bis dahin müssen wir selbst Lösungen finden. Mein nächster Schritt ist der Bau eines Jätgeräts, das zwischen den Reihen Unkraut entfernt.»
Delien
Diese Geschichte verweist direkt auf das Ziel des Solutionscape: Umweltgerechtigkeit durch Zugang zu Informationen, verbesserte Lebensgrundlagen und gerechte Land-Verwaltung. Für Delien bedeuteten der Zugang zu digitalen Werkzeugen und die Unterstützung vor Ort letztlich einen neu entwickelten Pflug und eine Verdoppelung der Reisproduktion auf bestehender Fläche. Was sich für einen einzelnen Landwirt verändert hat, schafft nun auch im ganzen Mahalevona-Tal mehr Resilienz und neue Zukunftsperspektiven.
