Wenn Gemeinschaften gestärkt werden, geht die Wiederherstellung von Weideland schneller voran – und das Wissen bleibt
Projektupdate
Veröffentlichungsdatum: 16. Dezember 2025

Teil des Projekts
Healthy and functional semi-arid landscapes—Co-design knowledge and engagement
Healthy and functional semi-arid landscapes—Co-design knowledge and engagementWenn Gemeinschaften gestärkt werden, geht die Wiederherstellung von Weideland schneller voran – und das Wissen bleibt
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Teil des Projekts
Healthy and functional semi-arid landscapes—Co-design knowledge and engagement
Healthy and functional semi-arid landscapes—Co-design knowledge and engagementVeröffentlichungsdatum: 16. Dezember 2025
Als Frauen und Jugendliche in Naibunga-Mukogodo bis Ende Oktober 2025 über 170'000 halbmondförmige Erdwälle ausgehoben hatten, lieferte eine aktuelle Biodiversitätserhebung positive Veränderungen und Hinweise darauf, dass gesünderes Weideland durch das Zusammenwirken von Gemeinschaftsmobilisierung, Wissenschaft und innovativen Ansätzen zur Wiederherstellung von Landschaften erreichbar ist.
Halbmondförmige Erdwälle sind halbkreisförmige Bodenaufschüttungen, die angelegt werden, um Regenwasser an Hängen aufzufangen und zurückzuhalten – vor allem zur Verhinderung von Bodenerosion und zur Verbesserung der Wasserinfiltration für die Vegetationsregeneration. In Nordlaikipia in Kenia, wo Naibunga-Mukogodo liegt, nutzen Gemeinschaften, die mit der Wyss Academy for Nature und Justdiggit zusammenarbeiten, diese ressourcenschonende Technik zur Wiederherstellung degradierter Flächen durch die Schaffung von Mikroeinzugsgebieten.
Eine gemeinsame Bestandsaufnahme der Wyss Academy for Nature und der National Museums of Kenya diente im Februar 2025 zunächst als Baseline-Erhebung für die nachfolgenden Assessments. Bei der jüngsten Erhebung im Juni 2025 zeigte sich, dass sich die Biomasse auf wiederhergestellten Flächen nahezu verdoppelt hatte. Zudem wurden Vegetationsveränderungen festgestellt, die auf gesündere Böden hinweisen. Der auffälligste und sichtbarste Befund war die verstärkte Präsenz wichtiger Wildtiere – darunter Grevy-Zebras und Elefanten.


Seit Jahren stehen die Hügel und Ebenen von Naibunga-Mukogodo unter zunehmendem Druck durch klimabedingte Dürren, Überbeweidung und schwindende Vegetation. Für die Hirtengemeinschaften, die hier leben, bedeutete das: immer weitere Wege auf der Suche nach Gras und Wasser – und unvermeidliche Konflikte mit benachbarten Privatfarmen, anderen Gemeinschaften und Wildtieren. Doch unter Staub und Hitze hielt eine beständige Verbindung unter den Jugendlichen und Frauen stand, in der gemeinsamen Überzeugung, dass ihr Land sich erholen kann, wenn Menschen und Natur zusammenarbeiten, um praktische Lösungen zu finden.
Als Antwort auf den Wunsch der Gemeinschaft, ihr Land wiederherzustellen, kamen die Wyss Academy for Nature, Justdiggit, die National Museums of Kenya und Gemeinschaftsführende zusammen, um ein Wiederherstellungsmodell aufzubauen, das auf Wissenschaft, Bürgerbeteiligung und innovativen Landschaftswiederherstellungsstrukturen beruht. Gemeinsam wurden in den vergangenen zwei Jahren über 170'000 halbmondförmige Erdwälle auf degradierten Weideflächen angelegt.
Um Monitoring und Lernen zu stärken, hat die Partnerschaft in indigenes Wissen und lokale Kapazitäten investiert. Geschulte lokale Monitoring-Teams – Viehhaltende, Jugendliche, Mitglieder von Frauengruppen und Community-Scouts – lernten, Gräser und Kräuter zu bestimmen und zu klassifizieren, mit Quadraten Pflanzenbedeckung und Artenvielfalt zu messen, Wildtierspuren wie Dung, Fährten und Bewegungsmuster zu dokumentieren, Felddaten zu erfassen und zu validieren sowie die Leistung der Erdwälle über die Zeit zu beobachten.
Die neu erworbenen Fähigkeiten und Instrumente haben es Gemeindemitgliedern ermöglicht, aktive Beobachtende der eigenen Landschaftswiederherstellung zu werden. Dieser besondere Citizen-Science-Ansatz ermöglichte es den Gemeindemitgliedern zudem, die Wiederherstellung zu verstehen und sich anzueignen – denn sie fand mit ihnen und durch sie statt.



Unter Anleitung von Wissenschaftler*innen sammelten Gemeindemitglieder im Juni Daten und Informationen an den Standorten Loika, Lorubai und Losupukei. Die erhobenen Daten wurden anschliessend an den National Museums of Kenya ausgewertet. Zu den wichtigsten Befunden zählten Vegetationsveränderungen auf den wiederhergestellten Flächen im Vergleich zu den Vergleichsflächen, auf denen keine Massnahmen stattgefunden hatten. Während die Vergleichsflächen von Pflanzen dominiert wurden, die in nährstoffarmen, ungestörten Böden gedeihen, wurden auf den wiederhergestellten Flächen drei neue Arten nachgewiesen: Möhrengras, Garnelenpflanze und Afrikanischer Portulak. Diese neuen Pflanzen weisen auf verbesserte Bodenfeuchte, höhere Nährstoffgehalte und fortgeschrittene Sukzessionsstadien hin – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Landschaft ihre Stabilität zurückgewinnt.
Die Erhebung zeigte ausserdem, dass die Biomasse auf wiederhergestellten Flächen mit Erdwällen im Vergleich zu den Vergleichsflächen nahezu doppelt so hoch war. Die Ergebnisse des Standorts Loika ergaben beispielsweise 2,5 Tonnen pro Hektar (t/ha) Biomasse auf der wiederhergestellten Fläche gegenüber 1 t/ha auf der Vergleichsfläche. Mehr Biomasse bedeutet mehr Futter, tiefere Wurzeln, bessere Bodenbedeckung und grössere Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Dürren.
Das sichtbarste Zeichen der Erholung war die dokumentierte Zunahme der Tierpräsenz. Systematische Dungzählungen belegten erhöhte Elefantenaktivität auf wiederhergestellten Flächen, während die Aktivitäten des gefährdeten Grevy-Zebras auf wiederhergestellten Flächen deutlich häufiger festgestellt wurden – mit einer um 30 Prozent erhöhten Präsenz in Loika. Beide Wildtiere gelten als Ökosystemingenieure, deren Beweidung und Bewegungen die sich erholende Landschaft mitgestalten und einen positiven Kreislauf der Regeneration verstärken.
Durch die Verbindung von Ökologiewissenschaft mit indigener Mobilisierung und Governance dient die Wiederherstellung in Naibunga-Mukogodo als Modell dafür, wie lokales Engagement zur langfristigen Tragfähigkeit in semiariden Weidelandschaften beitragen kann. Dabei werden Gemeindemitglieder zu Akteur*innen des Wandels für das Ökosystem, das sie selbst trägt. Die vielversprechende Zukunft der Weidelandwiederherstellung in Naibunga-Mukogodo baut auf diesen tragenden Strukturen auf – sie stellen sicher, dass Wissen an die Gemeinschaften weitergegeben wird und auch dann verbleibt, wenn die begleitenden Organisationen die Region verlassen haben.
Mit zunehmender Intensität des Klimawandels und neuen Herausforderungen für Weideland in ganz Ostafrika bietet der Ansatz von Naibunga-Mukogodo eine skalierbare Lösung, die erschwinglich, evidenzbasiert, gemeinschaftsgeführt und ökologisch robust ist. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, was entsteht, wenn Gemeinschaften, innovative Ansätze und zweckorientierte Organisationen mit gemeinsamer Vision zusammenkommen.

Team
- Projektkontakt
Projektkontakt
Sheila Funnell
Head of Innovation and Impact
