Brief an unsere Stakeholder

Was wir im Jahr 2025 erreicht haben. Und wohin die Reise geht.

Liebe Leserinnen und Leser,

Im Jahr 2025 hat für die Wyss Academy eine Phase der strategischen Schärfung begonnen. Wir konnten dabei auf dem bisher Erreichten aufbauen, Erkenntnisse aus der Evaluation des Vorjahres aufgreifen und so die nächste Phase gezielt vorbereiten –, während die operative Arbeit in vollem Umfang weitergeführt wurde.

In unterschiedlichen Landschaften verfolgen wir einen gemeinsamen Ansatz, um systemischen Wandel anzustossen. Zusammen mit unseren Partnerorganisationen setzen wir konkrete Massnahmen vor Ort um und erproben sie in der Praxis. Diese werden getragen und weiterentwickelt von Koalitionen einflussreicher Akteur*innen - stets basierend auf wissenschaftlicher Evidenz. Genau dieses Zusammenspiel von Forschung, Politik und Praxis steht im Zentrum unseres Ansatzes: systemische Lösungen für die Herausforderungen im Verhältnis zwischen den Menschen und der Natur zu erarbeiten und einen Mehrwert zu schaffen, der über einzelne Projekte hinausreicht.

In Kenia etwa unterstützt die Wyss Academy die Wiederherstellung degradierter semiarider Landschaften. Dank der Verknüpfung einer bewährten Technik – halbkreisförmiger Erdwälle –, mit Governance-Mechanismen und neuen Einkommensmöglichkeiten konnten wir eine rasche Ausweitung von einigen tausend auf 170'000 Erdwällen bis zum Jahresende 2025 ermöglichen. Der eigentliche Wert dieses Projekts zeigt sich vor allem in der Rolle der Wyss Academy als vermittelnde Kraft; sie hat Jugend- und Frauengruppen zusammengebracht, die sich nun gemeinsam für die Wiederherstellung der Böden einsetzen. Forschende und Fachleute begleiten den Prozess, während ältere Gemeindemitglieder ihre Erfahrungen in die Gestaltung einbringen. Auch Akteur*innen aus der Privatwirtschaft tragen dazu bei, neue Perspektiven für die Wertschöpfung zu schaffen. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich eine Dynamik: Innerhalb weniger Monate haben lokale Frauengruppen ein Engagement von über 90 Frauenjahren geleistet. Das ist ein starkes Zeichen für Vertrauen, Hoffnung und den gemeinsamen Willen, Veränderungen aktiv mitzugestalten.

In Peru entwickelt die Wyss Academy gemeinsam mit akademischen Partner*innen, öffentlichen Institutionen und dem Privatsektor einen Agroforst-Inkubator. Dabei bringen wir unterschiedliche Arten von Wissen zusammen, um vielfältige Agroforstflächen aufzubauen. Unsere Arbeit zeigt, dass sich der Schutz der Natur und bessere Lebensbedingungen für die ländliche Bevölkerung nicht ausschliessen, sondern einander stärken. Um zu beobachten, wie sich die Biodiversität entwickelt, setzen wir Kamerafallen und automatische Audiorekorder (AudioMoths) ein. Diese werden sowohl in neu angelegten Agroforstflächen als auch in bereits etablierten Systemen und an vergleichbaren Kontrollstandorten installiert. Diese Methoden liefern überzeugende Hinweise darauf, dass gut geplante und vielfältige Agroforstsysteme wichtige Eigenschaften natürlicher Wälder nachbilden können. Dadurch entstehen wertvolle Lebensräume für Säugetiere, Vögel und viele andere heimische Arten. Neben den ökologischen Vorteilen gewinnen wir durch diese Initiative auch hochwertige Daten. Sie zeigen, dass regenerative Landwirtschaft auf lange Sicht sowohl ökologisch sinnvoll als auch sozial tragfähig ist. Diese Erkenntnisse fliessen bereits in Gespräche über faktenbasierte politische Entscheidungen und die regionale Landnutzungsplanung mit ein. Insgesamt bietet der Inkubator einen klaren Ansatz für nachhaltige Investitionen – als Motor für mehr ökologische Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Regionen.

Dies sind nur zwei Beispiele für die vielen Fortschritte in unseren sechs Solutionscapes – unseren „Reallaboren" im Kanton Bern, in Kenia, Madagaskar, Peru und Laos, die insgesamt 60 Projekte umfassen. Der Jahresbericht 2025 zeigt anhand von Erfolgsgeschichten aus verschiedenen Teilen der Welt, wie wir unseren Auftrag voranbringen: durch die Verbindung von konkretem Handeln vor Ort, der Zusammenarbeit in starken Partnerschaften – unseren Coalitions for Change' -, und einer fundierten wissenschaftlichen Begleitung.

Das Berichtsjahr war zudem durch die strategische Planung für den Zeitraum 2026 bis 2030 geprägt. Unsere Vision bleibt hoch relevant: Wir setzen uns ein für eine Welt, in der die Beziehung zwischen Mensch und Natur nicht nur gerecht ist, sondern für beide Seiten Vorteile bringt. Um diese Vision zu verwirklichen, haben wir unsere Ziele für die kommenden Jahre weiter geschärft. Wir bleiben entschlossen, in unseren Solutionscapes ganzheitliche Lösungen für die Herausforderungen zwischen Menschen und der Natur voranzubringen und ihre Wirkung über Landschaften, Regionen und verschiedene Ebenen hinweg zu entfalten. Gleichzeitig wollen wir unsere Arbeit über das Jahr 2030 hinaus sichern und die langfristige Zukunft der Wyss Academy auf ein solides Fundament stellen. Dafür haben wir unsere Organisation gezielt weiterentwickelt: Rollen und Ressourcen sind nun noch klarer auf die Prioritäten der kommenden Phase ausgerichtet.

Die Wyss Academy ist gut vorbereitet und hoch motiviert in das Jahr 2026 gestartet, das den Beginn einer weiteren strategischen Fünfjahresphase markiert. Ein herzlicher Dank gilt unseren Mitarbeitenden für ihr ausserordentliches Engagement und ihre hervorragende Arbeit sowie unseren Geldgebern und Partner*innen für die gute Zusammenarbeit, die Unterstützung und ihr Vertrauen.

Prof. Dr. Christian Leumann, Präsident des Stiftungsrats

Prof. Dr. Peter Messerli, Direktor