Wissenschaftliches Schreiben und Publizieren: Peer-to-Peer-Learning in Madagaskar

News

Veröffentlichungsdatum: 29. Oktober 2026

Blick auf die dicht bebauten Hügel von Antananarivo unter bewölktem Himmel. Im Vordergrund sind ein Baum, Strassenlaternen und Stromleitungen zu sehen.
Blick über Antananarivo, Madagaskar. Hier fand am 2. Oktober 2026 ein Workshop zum wissenschaftlichen Schreiben und Publizieren statt. / Foto: Julie Zähringer

Wissenschaftliches Schreiben und Publizieren: Peer-to-Peer-Learning in Madagaskar

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Veröffentlichungsdatum: 29. Oktober 2026

Doktorierende der Graduiertenschule für natürliche Ressourcen und Entwicklung (École Doctorale Gestion des Ressources Naturelles et Développement) der École Supérieure des Sciences Agronomiques (ESSA) in Madagaskar arbeiteten an einem ganztägigen Workshop an ihren eigenen Manuskripten, gaben einander Feedback und diskutierten über die Herausforderungen des wissenschaftlichen Schreibens und Publizierens. Thema waren auch Anträge für Forschungsgelder und faire Regeln für die Autorschaft.

Was macht ein wissenschaftliches Argument überzeugend? Wie macht eine Einleitung deutlich, warum eine Studie relevant ist – ohne mehr zu versprechen, als die Ergebnisse halten? Und was können Forschende lernen, wenn sie gegenseitig ihre Arbeiten unter die Lupe nehmen?

Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt eines Workshops, den Prof. Julie Zähringer von der Wyss Academy for Nature an der Universität Bern am 2. Oktober 2026 an der Universität Antananarivo leitete.

Die Teilnehmenden brachten eigene Manuskripte oder Beispiele publizierter Forschung mit. In Kleingruppen analysierten sie den Aufbau wissenschaftlicher Argumente, hielten fest, was gut funktionierte, und machten Verbesserungsvorschläge. Im Zentrum stand die praktische Anwendung von Schreibtechniken – anhand der eigenen Arbeit und Erfahrung der Forschenden.

Eine teilnehmende Person konnte dank der Übungen klären, womit sie sich allein lange schwergetan hatte:

«Die praktischen Übungen haben uns geholfen, unsere Gedanken neu zu ordnen und Zweifel auszuräumen, die uns den ganzen Schreibprozess über geplagt haben.»

Drei Teilnehmende sitzen an einem Tisch und diskutieren. Eine Person hält ein Blatt Papier hoch, während die anderen zuhören. Auf dem Tisch liegen ein Laptop und Notizhefte.
Der Austausch über wissenschaftliche Texte stand im Zentrum des Workshops. Die Teilnehmenden diskutierten Argumentationslinien und Möglichkeiten, wissenschaftliche Texte verständlicher zu gestalten. / Foto: Julie Zähringer
Teilnehmende sitzen an U-förmig angeordneten Tischen, lesen Unterlagen und arbeiten an Laptops. Der Raum hat eine Holzdecke und Fenster mit Vorhängen.
Doktorierende arbeiten während des Workshops an der Universität Antananarivo mit wissenschaftlichen Texten. In praktischen Übungen und beim gegenseitigen Begutachten konnten sie Schreibtechniken direkt anwenden. / Foto: Julie Zähringer

The decisions behind scientific publishing

Auch ein überzeugendes Manuskript muss erst seinen Weg in die Fachliteratur finden. Bei der Wahl des Publikationsorts gilt es, mehrere Faktoren abzuwägen: das Renommee der Zeitschrift, das Publikum, das sie erreicht, die Möglichkeit einer Open-Access-Publikation und die anfallenden Kosten. Zudem müssen Forschende das Peer-Review-Verfahren durchlaufen, auf Kritik eingehen und dafür sorgen, dass alle Beiträge angemessen gewürdigt werden.

Neue Werkzeuge werfen weitere Fragen auf. Künstliche Intelligenz kann bei der Literaturrecherche und beim Überarbeiten von Texten helfen, ihre Ergebnisse müssen jedoch sorgfältig überprüft werden. Ein verantwortungsvoller Umgang damit heisst, vertrauliche Inhalte zu schützen und selbst für die Richtigkeit und Integrität der Forschung einzustehen.

Der Workshop befasste sich zudem mit den Bedingungen, unter denen Forschung überhaupt stattfindet – insbesondere wenn Forschende über Institutionen und Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten.

In internationalen Forschungspartnerschaften wird entschieden, wohin sich ein Projekt entwickelt, wer wofür zuständig ist und wie die Mittel verteilt werden. Das prägt, wie die Beteiligten in die Arbeit eingebunden sind. Prof. Zähringer sprach zudem über die Rechte mitverantwortlicher Forschender in Konsortien – etwa darauf, wie wichtig es ist, Forschungsprioritäten gemeinsam festzulegen, klare Vereinbarungen zu treffen und Projektinformationen sowie Budgets transparent zu teilen.

«Alle Forschenden auf dieser Welt sind Teil desselben globalisierten Publikationssystems, doch die Ressourcen, die einem in diesem Wettbewerb weiterhelfen, sind ungleich verteilt. Als Senior Editor einer wichtigen Fachzeitschrift der Nachhaltigkeitswissenschaften war es mir deshalb umso wichtiger, einige meiner Erfahrungen weiterzugeben. Es ging darum, was ein Manuskript braucht, um die erste redaktionelle Prüfung zu bestehen und ins Begutachtungsverfahren zu gelangen. Letztlich besteht die Hoffnung, dass in Zukunft viel mehr englischsprachige Artikel von madagassischen Forschenden erscheinen.»

Raum für Austausch und Reflexion

Zum Programm gehörte auch ein offenes Forum, in dem die Teilnehmenden Fragen stellen und Erfahrungen aus ihrer eigenen Forschung teilen konnten.

«Besonders geschätzt habe ich die freundliche und persönliche Atmosphäre. So fiel es uns leicht, uns auszudrücken, Fragen zu stellen und offen über unsere Erfahrungen zu sprechen», schrieb eine teilnehmende Person im Anschluss. Dieselbe Person schätzte auch den praktischen Charakter des Workshops:

«Wir haben uns nicht nur mit Konzepten und Techniken vertraut gemacht, sondern konnten sie in Übungen und im Peer-Review auch tatsächlich anwenden.»

Forschungserfahrung zu teilen heisst auch, praktisches Wissen weiterzugeben, das mit jedem Publikationsprozess wächst. In der Lehre kommt dieses Wissen jedoch selten vor: wie man ein Argument entwickelt, auf Kritik reagiert, Entscheidungen rund um die Publikation trifft und mit Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

Der Workshop knüpft an die langjährigen Forschungspartnerschaften der Universität Bern mit der ESSA in Madagaskar an. Während ihres eigenen Doktorats wurde Prof. Zähringer von Professorinnen, Professoren und Forschenden der ESSA begleitet. Ihnen verdankt sie viel auf ihrem akademischen Weg. Jahre später gibt sie nun eine andere Art von Wissen zurück: Einblicke aus der Redaktion, die Doktorierende für ihre eigene Arbeit nutzen können.

Julie Zähringer und zehn Workshop-Teilnehmende stehen gemeinsam vor einem Backsteingebäude unter einem Schild mit der Aufschrift «École Doctorale GRND – Université d’Antananarivo».
Prof. Julie Zähringer mit Teilnehmenden des Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben und Publizieren vor der Doktoratsschule für natürliche Ressourcen und Entwicklung an der Universität Antananarivo, Madagaskar.