Co-Creation-Workshop: Nachhaltigen Pastoralismus skalieren
News
Veröffentlichungsdatum: 28. April 2026

Co-Creation-Workshop: Nachhaltigen Pastoralismus skalieren
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Veröffentlichungsdatum: 28. April 2026
Partner kommen in Nanyuki zusammen, um eine zweimonatige Synthese zu lancieren. Ziel ist es, Erkenntnisse aus dem Solutionscape-Ansatz der Wyss Academy for Nature in praxistaugliche Werkzeuge für die Wiederherstellung von Weideland und die Stärkung pastoraler Lebensgrundlagen zu überführen.
Am 1. und 2. April 2026 trafen sich Forschende, Fachleute aus dem Naturschutz sowie Vertreterinnen und Vertreter von Behörden und Gemeinschaften in Nanyuki, um Erkenntnisse aus bisherigen Arbeiten zur nachhaltigen Weidewirtschaft in Nordkenia zu bündeln.
Der Workshop wurde vom East Africa Hub der Wyss Academy for Nature einberufen und brachte Partner aus den Landkreisen Laikipia und Isiolo zusammen. Gemeinsam reflektierten sie über Erkenntnisse aus laufenden Projekten, die im Rahmen des Solutionscape-Ansatzes Ökosystemwiederherstellung, Biodiversitätsschutz und resiliente pastorale Lebensgrundlagen in ariden und semiariden Gebieten miteinander verbinden.
Der Workshop markierte den Auftakt eines umfassenderen Syntheseprozesses. Dessen Ziel ist es, aus Felderfahrungen konkrete Orientierungshilfen für Praktikerinnen und Praktiker, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie Gemeinschaften zu entwickeln, die pastorale Systeme in vergleichbaren Landschaften stärken wollen.


Seit 2023 arbeitet der East Africa Hub der Wyss Academy for Nature mit Hirtengemeinden, staatlichen Stellen und Partnerorganisationen zusammen, um Ansätze voranzubringen, die sowohl gesunde Weidegebiete als auch nachhaltige Lebensgrundlagen fördern. Der Workshop in Nanyuki war ein wichtiger Schritt, um diese Erfahrungen zu bündeln und Ansätze zu identifizieren, die sich auf andere pastorale Landschaften übertragen lassen.
Die Teilnehmenden erkundeten, wie Erkenntnisse aus der Weidelandwiederherstellung, aus Governance-Innovationen und aus gemeinschaftsbasiertem Weidemanagement in praktische Werkzeuge und Schulungsmaterialien überführt werden können. Diese Ergebnisse sollen auch in breitere politische und fachliche Diskussionen einfliessen – unter anderem in die Vorbereitungen zum Internationalen Jahr der Weidewirtschaft und des Pastoralismus 2026.
Ein zentrales Thema der Diskussionen: Viele der Herausforderungen sind nicht nur ökologischer, sondern auch sozialer und institutioneller Natur. Die Teilnehmenden thematisierten die Komplexität des gemeinsamen Weidemanagements, bei dem Viehmobilität, Ressourcenzugang und gemeinschaftliche Zusammenarbeit den Erfolg von Wiederherstellungsmassnahmen entscheidend beeinflussen.
Moses Nokisho brachte es auf den Punkt:
«Viele der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, sind keine rein biophysischen Probleme. Es sind soziale Fragen – wie Gemeinschaften Weideflächen teilen, wie sie zusammenarbeiten und wie pastorale Landschaften gemeinsam bewirtschaftet werden.»
Die Teilnehmenden hoben auch die Vernetzung pastoraler Landschaften hervor: Was in einem Gebiet geschieht, kann Nachbargemeinschaften und benachbarte Ökosysteme unmittelbar beeinflussen.
Elema Fila ergänzte: «Pastorale Landschaften sind miteinander verbunden. Wenn in einem Gebiet Gras und Wasserressourcen wiederhergestellt werden, werden Tiere aus anderen Gebieten natürlich dorthin ziehen. Diese Realität muss in die Planung von Wiederherstellungs- und Bewirtschaftungsmassnahmen einbezogen werden.»
Diese Überlegungen unterstrichen die Bedeutung funktionierender Governancesysteme, gemeinschaftlichen Dialogs und koordinierter Ansätze im Landmanagement.


Ein weiteres Schwerpunktthema war die Landnutzungsplanung für Gemeinschaftsflächen. Die Teilnehmenden betonten, dass wirksame Landnutzungspläne Besiedlungsmuster, Weidemanagement und Naturschutzmassnahmen steuern und so zur Produktivität und Resilienz pastoraler Landschaften beitragen können.
Sam Kuraru unterstrich diesen Punkt.
«Es ist sehr wichtig, dass Gemeinschaften, die Weidewirtschaft betreiben, Landnutzungspläne haben, die ihre Aktivitäten leiten und diese Landschaften schützen. Es gibt auch das Gefühl, dass der Pastoralismus zu wenig gewürdigt wird – und dass Praktiken wie der Ackerbau als wertvoller angesehen werden.»
Angesichts des Bevölkerungswachstums, des Klimawandels und konkurrierender Landnutzungen werden solche Planungsrahmen zunehmend zu unverzichtbaren Werkzeugen für ein nachhaltiges Landschaftsmanagement.
Die Teilnehmenden sprachen auch über übergeordnete Governance- und Sicherheitsfragen, die pastorale Systeme in Nordkenia belasten. Viehdiebstahl, Unsicherheit und Ressourcenkonflikte wurden als Herausforderungen genannt, die sowohl Naturschutzbemühungen als auch Lebensgrundlagen gefährden können.
Eunice Bosibori brachte es so zum Ausdruck: «Selbst wenn wir das Land wiederherstellen – ohne Frieden wird es sehr schwierig, Fortschritte zu verfolgen oder sicherzustellen, dass die Gemeinschaften davon profitieren.»
Diese Diskussionen unterstrichen, wie wichtig integrierte Ansätze sind, die ökologische, soziale und Governance-Dimensionen gleichzeitig in den Blick nehmen.

Lösungen gemeinsam gestalten – für Übertragbarkeit und Skalierung
Am zweiten Tag des Workshops stand die Gestaltung eines gemeinsamen Prozesses zur Synthese von Erfahrungen aus Pastoralismus-Projekten der Region im Vordergrund. Die Teilnehmenden erarbeiteten gemeinsam, was eine erfolgreiche Synthese leisten soll und wie die entstehenden Wissensprodukte Praktikerinnen und Praktikern sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern am besten dienen können.
Zu den geplanten Outputs gehören ein Toolkit für nachhaltige Weidewirtschaft sowie Schulungsmaterialien, die die Umsetzung in verschiedenen Landschaftstypen unterstützen sollen. Am Ende des Workshops hatten sich die Partner auf die nächsten Schritte geeinigt, um diese Produkte bis Ende Juni 2026 fertigzustellen.
Über die fachlichen Diskussionen hinaus schuf der Workshop eine wichtige Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Fachleuten, die in den pastoralen Landschaften Nordkenias aktiv sind. Durch die Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven – von Forschenden und Naturschutzfachleuten bis hin zu Gemeinschaftsvertreterinnen und -vertretern – konnte die Veranstaltung ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und Chancen fördern, mit denen pastorale Systeme heute konfrontiert sind.
Angesichts der anhaltenden Veränderungen durch Klimawandel, Landfragmentierung und wirtschaftlichen Druck werden solche kollaborativen Lernplattformen eine wichtige Rolle dabei spielen, Ansätze zu finden, die ökologische Resilienz und nachhaltige Lebensgrundlagen gleichermassen unterstützen.
Die Erkenntnisse aus diesem Syntheseprozess sollen nicht nur lokale Initiativen in Nordkenia informieren, sondern auch zu breiteren Bemühungen beitragen, pastorale Systeme in ganz Ostafrika zu stärken.

Text: Amanda Koech; Redaktion: Predrag Tripkovic.