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Der wahre Wert der Wälder – im Emmental und darüber hinaus


Was macht den wahren Wert von Wäldern aus? Wie kann ihr Potenzial so genutzt werden, dass es den Bedürfnissen von Menschen und der Natur gleichermassen entspricht? Und konkreter: Wie soll die Schweizer Energiepolitik 2050 mit der Walderhaltung abgestimmt werden? Diese und weitere Fragen wurden am 4. und 5. Juni 2024 anlässlich des Dialogue with Purpose zum Thema „The True Value of Forests“ im bernischen Emmental  intensiv diskutiert. Auf Einladung der Wyss Academy for Nature und des Amts für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern trafen sich rund 35 Expert*innen und Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Administration und Kunst hierfür auf Schloss Hünigen sowie im Toppwald.

 

32 Prozent der schweizerischen Landesfläche besteht aus Wald, was ca. 13‘000 Quadratkilometern entspricht – eine Fläche, die sich 250‘000 private und 3400 öffentliche Waldeigentümer*innen teilen. Dass nicht alle Interessensgruppen dieselben Vorstellungen haben, was die Bedeutung und Nutzung der Wälder betrifft, liegt auf der Hand. Ziel des Dialogs war es, unterschiedliche Positionen und aktuelle Problemstellungen offen zu benennen sowie gemeinsam erste Lösungsansätze zu entwickeln.

 

Integrierte Landnutzungssysteme gefragt

Am Vormittag des ersten Tages standen ‚Integrierte Landnutzungssysteme für erneuerbare Energien im Waldumfeld‘ im Mittelpunkt. In der Schweiz haben sich die Auseinandersetzungen rund um Landnutzung über die Jahre verschärft. Der Grund: Zum einen sind die Landansprüche des Natur-, Kulturland- und Gewässerschutzes gewachsen; zum anderen wurde die Ausdehnung von Siedlungs- und Verkehrsflächen wenig gebremst bisher. Dieses Spannungsfeld spiegelte sich auch in der engagierten Debatte um die Energiepolitik 2050: Angesichts des Bedarfs an Windkraftanlagen etwa dürfte das strenge Schweizer Rodungsverbot verstärkt unter Druck geraten.

 

Nachhaltige Holznutzung

Am Nachmittag konnte der Wald dann live erlebt werden: Bei einem ausgedehnten Rundgang im wunderschönen Toppwald erhielten die Dialog-Teilnehmenden lehrreiche Einblicke in die nachhaltige Holznutzung des Staatsforstbetriebs des Kantons Bern, wozu neben dem Holzschlag auch Massnahmen zur Waldverjüngung und zugunsten des Naturschutzes gehören. Angestrebt wird langfristig eine ausgeglichene Holzbilanz – doch bis zur Erreichung dieses Ziels ist es noch ein weiter Weg. Untersuchungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Land schaft (WSL) zeigen, dass mehr Waldholz wirtschaftlich genutzt werden könnte, als es bisher der Fall ist. Eine höhere Nutzung entspricht aber kaum der forstlichen Realität. Gründe hierfür sind unter anderem der Handel mit CO2-Zertifikaten, eine defizitäre Holzproduktion, Opposition gegen Holznutzung sowie die Ausdehnung von Waldreservaten, wo die Holznutzung meist untersagt ist.

 

Vielfältige Interessen rund um den öffentlichen Wald

Neben branchenspezifischen Interessen müssen heute allerdings zahlreiche weitere gesellschaftliche Ansprüche berücksichtigt werden, wenn es um den öffentlichen Wald geht. Mit diesem Thema starteten die Teilnehmenden in den zweiten Tag: Von der Joggerin über den Botaniker über die Ornithologin bis zum Waldkindergärtner – um nur einige Beispiele zu nennen – , sie alle nutzen die Ressource und haben konkrete und zum Teil divergierende Vorstellungen darüber, wie ihr Kraftort beschaffen sein sollte; mit der Konsequenz, dass Forstleute immer öfter als Mediator*innen bei Nutzungskonflikten beigezogen werden. Der Umstand, dass die einen Interessengruppen besser organisiert sind und sich artikulierter einbringen als andere, gereicht dabei nicht immer zum Nutzen der gesamten Bevölkerung.

 

Erste Lösungsansätze entwickelt

Das Erstellen einer Auslegeordnung dieser vielfältigen und komplexen Problemstellungen nahm einige Zeit in Anspruch. Dann ging es um die Entwicklung und das Vorstellen von konkreten Lösungsansätzen. Die Palette reichte von neuen Geschäftsmodellen für die Holzwirtschaft über einen Heilwald für ein Spital und Sensibilisierungskampagnen für den Wald bis hin zu einem Marktplatz für Biodiversitäts-Credits, um nur einige zu nennen. Dass die Ideen im Codesign-Prozess von zum Teil sehr heterogen zusammengesetzten Kleingruppen gestaltet wurden, machte sie um so tragfähiger. Und der Umstand, dass nach dem offiziellen Abschluss der Dialogues einzelne Teilnehmende sich zusammensetzten, um an Ihren Projektideen weiterzuarbeiten, war ein starkes Zeichen, das Anlass zur Hoffnung gibt.

 

🌍 Die Wyss Academy Dialogues “The True Value of Forests“ – eine Kooperation mit unserem Partner Impact Hub Network -, sind eine globale Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, lokale Lösungsansätze zum Wert des Waldes auszutauschen und konkrete Massnahmen zu initiieren. Der Auftakt erfolgte Anfang Mai im brasilianischen Manaus in der Amazonas region. Nach dem zweiten Event, der vergangene Woche in Thailand stattfand, handelt es sich bei den Dialogen vom 4. und 5. Juni im Emmental um die dritte Veranstaltung. Der Abschluss der regionalen Reihe ist vom 10. bis 17. Juni in Madagaskar geplant. Eine in der zweiten Hälfte von 2024 geplante globale Veranstaltung soll Erkenntnisse aus den verschiedenen Regionen zusammenführen und dazu beitragen, die Gemeinsamkeiten wie auch die Besonderheiten der Wälder zu benennen.


🌱 Mehr Informationen finden Sie hier:  True Value of Forests – Impact Hub




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